Pressebericht: Milchkühe für die Traditionsmolkerei bekommen nur Futter, das gentechnikfrei ist!

70 Bauern produzieren in Genossenschaftsform Frischmilch, welche von der Molkerei Marburg zu hochwertigen Produkten weiterverarbeitet wird.

Nachhaltigkeit, Gentechnikfreiheit und Regionalität, diesen drei Kriterien verschreibt sich die Marburger Traditionsmolkerei besonders. Seit wenigen Monaten produzieren rund 70 Bauern in Genossenschaftsform Frischmilch, darunter auch zwei Milchbetriebe aus dem Vogelsbergkreis. Stolze 70 000 Liter Milch werden täglich verarbeitet, sie stammen von Bauernhöfen mit drei bis 200 Kühen, die ausschließlich gentechnikfreies Futter erhalten.

von pw

Vogelsbergkreis. Doch nicht nur die Unternehmensform, sondern auch die Produktion der Milch zeigt sich besonders. "Wir produzieren eigentlich eine Frischmilch, die aber länger haltbar ist", hebt Molkereigeschäftsführer Hans-Werner Wege hervor. Er und seine fast 20 Mitarbeiter verfügen in der Molkerei über die sogenannte Baktofugationstechnologie. Während bei der herkömmlichen Milchherstellung viele wertvolle Inhaltsstoffe und Geschmacksträger durch Hitzebehandlung auf der Strecke bleiben, wird die Milch durch die Baktofugation schonend verarbeitet. In einer speziell ausgelegten Zentrifuge werden dabei die Bakterien und Sporen von der Milch getrennt, ein unnötiges hohes Erhitzen entfällt. Lediglich zur Pasteurisierung wird die Milch wenige Sekunden auf 72 Grad Celsius erhitzt.

Von der Kuh im Stall bis zur Milch in der Tüte durchläuft das weiße Gold der Rinder einige Produktionsschritte. Kurz nachdem die Bauern die Kühe gemolken haben, steht schon der Milchlaster auf dem Hof. Von dort abgepumpt wird der "Kuhsaft" auf kühlstem Wege in die Marburger Frauenbergstraße gefahren. Dort durchläuft die Milch die Baktofugen, bevor es standardisiert wird. Bei der Standardisierung wird der Fettgehalt der Milch "eingestellt" - auf die bekannten 3,8 Prozent der Vollmilch oder den reduzierten Prozentsatz der fettarmen Milch. Nach der nur wenige Sekunden in Anspruch nehmenden Pasteurisierung wartet die Homogenisierung. Hier werden die in der Milch enthaltenen Fetttröpfchen unter hohem Druck

verkleinert, so soll ein Aufrahmen verhindert werden. Es bleibt die Abfüllung, dabei wird vollautomatisch ein Liter in die Milchtüte gefüllt. Meterweise werden dazu die Verpackungen auf Rollen angeliefert, jedoch ohne Öffnung zum Ausschenken. "Der Schraubverschluss wird erst in der Anlage eingefügt", so Molkereigeschäftsführer Wege. Per Packroboter werden die fertig gepackten Milchkisten schließlich auf Paletten geladen, bevor sie ihre Reise in die Märkte der Region antreten. Im Vogelsbergkreis ist die Milch bisher bei zwei Supermarktketten erhältlich, REWE und Tegut.

"Nun liegt es am Kunden", so der Romröder Milchbauer Karl Weitzel. Für ihn und seine Berufskollegen kommt es darauf an, dass die Menschen der Region die hochwertigen Produkte der Molkerei kaufen. Die Qualität der Milch wird nicht nur in einem hauseigenen chemischen und mikrobiologischen Labor, sondern auch extern überwacht. Der Betrieb hat eine unbefristete EU-Zulassung als Molkerei erhalten, zudem bestand sie auf Anhieb die Anforderungen des International Food Standard (IFS) und erfüllt die Vorgaben des Lebensmittelhygienestandards (HACCP). Auch nimmt die Molkerei an dem Projekt "geprüfte Qualität Hessen" teil. Das Siegel "ohne Gentechnik" des Verbandes VLOG weist ein Verbot des Einsatzes von gentechnisch veränderten Organismen in der Fütterung und bei der Produktion der Milchprodukte nach. Neben der Milch sollen künftig weitere Produkte wie Joghurt folgen.

Ein besonderes Anliegen der Molkerei ist die gläserne Produktion, nicht nur Betriebsführungen, sondern auch Aufklärung für Kindergärten und Schulklassen unter dem Motto "Lerne die Milch kennen!" werden angeboten. Informationen dazu finden sich auf der Internetseite www.traditionsmolkerei.de.

Quelle: Gießener Anzeiger, 04.01.2013