Pressebericht: Ministerin gefällt das Hinterland

Lucia Puttrich verspricht in Hülshof Unterstützung.

Sichtlich wohl hat sich die hessische Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich (CDU) als Gast in Hülshof gefühlt. Mit dem hessischen Bauernpräsidenten Friedhelm Schneider kam sie zum landesweiten Erntegespräch in den kleinsten Ortsteil Bad Endbachs.

(ky)

Bad Endbach-hülshof. Das jährliche Erntegespräch des hessischen Landwirtschaftsministeriums gemeinsam mit dem Bauernverband sei in diesem Jahr absichtlich in eine Region gelegt worden, die nicht zu den Gunstgebieten des Ackerbaus gehöre, sagte Puttrich gestern bei der Begrüßung auf dem Hof der Familie Preuß. Die Ernte habe in Hessen sehr unterschiedliche Ergebnisse erbracht.Während in Südhessen die Erträge sehr gut seien, sei hier im Hinterland oder in ihrer Heimatregion - dem Vogelsberg - durch den Frost ein großer Teil des Wintergetreides ausgefallen.

Der Vorsitzende des heimischen Kreisbauernverbandes, Erwin Koch, sprach die Ministerin auch sogleich auf die Situation in sogenannten benachteiligten Gebieten - früher Bergbauerngebiete - an und bat um Unterstützung durch die hessische Landesregierung. "Selbst in guten Jahren können wir hier auf keinen Fall europaweite Konkurrenzfähigkeit erreichen, wie sie der EU-Präsident will", erklärte er. "Wir arbeiten hier mit Bodenwerten von 15 bis 30, im Osten gilt schon 50 als ein schlechter Boden."

Dennoch müsse die bäuerliche Landwirtschaft in Familienhand flächendeckend erhalten werden, so Kochweiter. Dies sei für die Kulturlandschaft ebenso entscheidend wie für die Lebensqualität auf dem Land. "Wenn Sie sehen, wie einige Dörfer jetzt schon aussehen durch den Verfall der landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäude, können Sie sich vorstellen, was hier entsteht", wies er die Ministerin auf die Folgen des Strukturwandels hin. Lebendige Dörfer könne man auch nicht durch die von der Politik favorisierten "Familien geführten Agrarunternehmen" erreichen, sondern vor allem durch die kleinteilige Landwirtschaft auch im Nebenerwerb.

Puttrich gab Koch Recht, dass sich nicht alle Strukturen in der Landwirtschaft beliebig verändern ließen. Sie versprach, bis zum Jahresende einen "Runden Tisch benachteiligte Gebiete" ins Leben zu rufen. Dort solle beraten werden, welche Unterstützung die Landesregierung den Regionen geben könne, die von der Umstrukturierung der europäischen Förderpraxis betroffen seien. "Der Pakt mit der Landwirtschaft wird kommen", versprach die Ministerin. Die hessische Landesregierung stehe hinter den Bauern und sei sich der Bedeutung der Landwirtschaft bewusst, sagte sie.

Während im Hinterland und anderen höheren Lagen Hessens die Ernte vor allem des Wintergetreides zumTeil recht mager ausfalle, gebe es in Südhessen sehr gute Erträge, berichtete der hessische Bauernpräsident Friedhelm Schneider. Engpässe werde es vor allem für die Futtermittelindustrie und damit für die auf Zukauf angewiesenen Vieh haltenden Betriebe geben. Brotgetreide sei weniger betroffen.

Deutliche Einbußen gebe es auch beim Winterraps, im hessischen Durchschnitt rechne er mit einem Ertrag nicht über fünf Tonnen pro Hektar. Gute Erträge erwarte man dagegen von der diesjährigen Kartoffelernte.

Herbert Becker vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen berichtete, im heimischen Landkreis seien 60 bis 70 Prozent des Winterweizens verloren. Die Folge seien höhere Kosten und geringere Erträge.

Auf dem Hof von Ute und Walter Preuß wurde die Ministerin mit Erzeugnissen des Hofes und der Region bewirtet. Sie zeigte sich angetan von der Qualität der Lebensmittel wie von der Atmosphäre in dem 19-Einwohner-Ort, in dem vier landwirtschaftliche Betriebe auf den Höhen des Hinterlandeswirtschaften und mit Windkraft, Solarstrom und Holzhackschnitzelerzeugung auf erneuerbare Energien setzen.

Puttrich lobte bei der Bewirtung mit Milch der Marburger Traditionsmolkerei auch diese Initiative der heimischen Bauern, die Molkerei in eigener Regie wieder zu eröffnen. Regionale Qualität sei ein Zukunftsmodell, sagte sie. Daher werde die Marburger Molkerei auch vom Land Hessen unterstützt. "Regional schmeckt einfach besser als von weit her", meinte sie. Regionale Produkte, mit denen die Menschen sich verbunden fühlten, seien ein guter Weg für die Zukunft.

Quelle: Hinterländer Anzeiger (Bad Endbach), 31.08.2012