Pressebericht: Molkerei Marburg liefert wieder

Genossenschaft trägt Firma.

Jetzt kommt sie in die Regale: Milch aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die Molkerei Marburg, die die heimische Bauern-Genossenschaft zu Jahresbeginn von Schwälbchen zurück genommen hat, arbeitet wieder. Wer Milch dafür liefert, muss unter anderem Gentechnik-Freiheit garantieren.

(ky)

Marburg/Biedenkopf. "Sie werden es am Geschmack merken", sagt der Vorsitzende der Marburger Molkereigenossenschaft, Ludwig Rein. Er meint damit die neue Marke, die in Kürze in den Regalen zunächst nur von Rewe stehen wird: Frische Milch der Marburger Traditionsmolkerei, garantiert gentechnikfrei, ohne Kraftfutter aus Übersee produziert und nur von heimischen Bauern gemolken.

Nachhaltig für den Regenwald und die Landwirte aus der Region

Alle 70 Lieferanten aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und den Grenzbezirken der Landkreise Gießen und Waldeck-Frankenberg sind mit dem Bundes-Siegel für Gentechnikfreiheit zertifiziert, berichtet Wege: "Das war uns wichtig, außerdem die Regionale und nachhaltige Produktion. Und nachhaltig heißt auch, dass die heimischen Bauern eine Überlebenschance haben", erklärt er. "So sah es für viele nicht aus, als zum Jahresende die Schwälbchen-Molkerei ihre Produktion in den Räumen der Genossenschaft schloss. Und nicht viel zurückließ, das noch für eine Weiterproduktion taugt.

Wir haben aus Ruinen die höchsten Qualitätsstandards erreicht", sagt Wege stolz. Über zwei Millionen Euro hat die Genossenschaft investiert, bevor sie überhaupt anfangen konnte. Dann kamen die ganzen erforderlichen Lebensmittelprüfungen. "Wir haben Spitzenwerte", freut sich Wege. 90 von 100 möglichen Punkten des "International Food Standdard", 98 von 100 bei "Geprüfter Qualität aus Hessen". Und die unbefristete Molkerei-Zulassung der EU.

"Wer unsere Milch kauft, kann sicher sein, dass sie gentechnikfrei ist und kein Gramm Futtermittel aus Übersee verfüttert wurde. So müssen auch keine Regenwälder für unsere Milch abgeholzt werden", sagt er. Gefüttert wird von den Bauern mit heimischem Rapskuchen und traditionellen Futtermitteln wie Luzerne, Klee, Erbsen oder Lupinen.

Der gute Geschmack der neuen Milch - wir haben sie probiert - kommt auch von einer neuen, hochmodernen Entkeimungsanlage, die die Milch mit höchstens 72 bis 74 Grad pasteurisiert. "Das waren wir die ersten in Deutschland, die dieses Verfahren hatten", sagt Wege stolz.

Stolz können die Landwirte und ihre Genossenschaft auch darauf sein, jetzt schon 15 neue Arbeitsplätze vor Ort geschaffen zu haben. "Tendenz steigend", sagt Wege. Fünf Mitarbeiter haben sie von der geschlossenen Schwälbchen-Produktion übernommen, außerdem drei Leiharbeiter, die bis zu sechs Jahren ohne festen Vertrag beim Vorgänger waren, unbefristet angestellt. "Wir wollen noch mehr Mitarbeiter einstellen. Weil es noch nicht reicht und wir die Produktion zudem ausweiten möchten", erklärt er.

Ein weiteres wichtiges Ziel der Genossenschaft ist es, den heimischen Landwirte einen kostendeckenden Milchpreis zu zahlen - was sonst nur die Bio-Molkereien tun. "Auch das verstehen wir unter Nachhaltigkeit, dass die Familienbetriebe eine Zukunftschance haben", betonen Wege und Rein.

Der Anfang ist gemacht. Zunächst gibt es frische Milch mit 1,8 oder 3,8 Prozent Fettgehalt der Marburger Traditonsmolkerei. Spätestens bis zum Jahresende sollen auch Sahne und Quark hinzukommen.

Quelle: Hinterländer Anzeiger (Marburg), 30.08.2012