Regionalität und Gentechnikfreiheit belohnt mit Gutes aus Hessen Zertifizierung

Die Marburger Traditionsmolkerei hat als einzige Molkerei in Hessen für alle Produkte die Zertifizierung Gutes aus Hessen überreicht bekommen.

Ministerin Hinz überreicht das hessenweit erste Zertifikat für Gentechnikfreiheit und Regionalität

Peter Kingmann und Ministerin Hinz überreichen das hessenweit erste Zertifikat für "Gutes aus Hessen" an den Vertreter der Marburger Traditionsmolkerei.

Marburg. Die hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Priska Hinz (Grüne), und der Geschäftsführer der "Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen", überreichten Geschäftsführer Hans-Werner Wege gestern in Marburg das Zertifikat.

Die vor zwei Jahren von den heimischen Milchbauern wieder selbst übernommene Molkerei ist die einzige in Hessen, deren Lieferanten, Verarbeitung und Vermarktung ausschließlich in Hessen angesiedelt sind. Und die Bauerngenossenschaft setzt noch eins drauf: Ohne Gentechnik sowieso, aber auch das Futter für das Milchvieh der Lieferanten darf nicht aus Übersee stammen.

Außerdem haben die heimischen Milchbauern als einzige in Deutschland Milch und Milchprodukte auf dem Markt, die dank des neuen Prolong-Verfahrens zur Entkeimung nicht erhitzt werden müssen. "Das merkt man am vollen Milchgeschmack. Auch unsere Sahne wird nicht totgekocht, um haltbar zu sein", sagt Iris Trier vom Genossenschaftsvorstand.

"Außerordentlich" nennt Ministerin Hinz die Qualität und die tatsächliche Regionalität der Marburger Molkerei.

Bei so viel Lob und Alleinstellungsmerkmalen sollte der Verkauf boomen. "Leider steigert sich der Verkauf nur schleppend", bedauert Trier. "Bei Milchprodukten geht es im Lebensmittelhandel um einen reinen Verdrängungswettbewerb. Die Regale sind voll, und wenn die Großen schon etwas im Regal haben, das sich regional nennt, fragen sie sich natürlich, warum sie sich noch einen Hersteller ins Haus holen sollen. Was wir Einzigartiges bieten, ist den Händlern und Kunden nur schwer vermittelbar."

Der Begriff "regional" ist nicht geschützt.

Und auch das "Regionalfenster", eine noch von der letzten Bundesregierung auf den Weg gebrachte Zertifizierung, die in Hessen nur die Marburger Molkerei hat, kennt kaum jemand.

Tatsächlich ist der Begriff "regional" an sich nicht geschützt, bestätigt Klingmann. "Es wäre zu schwierig, abzugrenzen, was eine Region ist. Das kann ja ein Landkreis sein oder die Umgebung von 50 Kilometern, ein Bundesland oder ganz Europa." Sein Zertifikat Gutes aus Hessen macht die Region klar, aber den Begriff "aus der Region" kann jeder auf seine Ware schreiben, da gibt es keine Festlegung".

Das wirkt sich natürlich auf den Absatz aus, bedauert Trier. Zwar stammten zwei Drittel der Lieferanten aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, der Rest aus der unmittelbaren Nachbarschaft wie Geismar oder dem Vogelsberg, aber das beeindrucke die großen Handelsgesellschaften nicht. "Wir sind nicht durchgängig bei den Händlern gelistet."

Um jedoch die höheren Kosten der in der Genossenschaft organisierten Milchbauern zu decken, die beim Futter und der Haltung die Auflagen erfüllen müssen, müsse die Auslastung der Molkerei steigen, um einen besseren Preis an die Bauern zahlen zu können, erklärt sie.

So hat sich der Verkauf der Becherware wie Sahne, saure Sahne, Schmand und neuerdings Naturjoghurt bisher nur langsam entwickelt, berichtet Wege. "Wir müssten die Verbraucher besser erreichen mit der Botschaft, dass unsere Ware nicht nur besser schmeckt, sondern auch tatsächlich regional und zudem gentechnikfrei ist. Aber Werbung ist sehr teuer."

Die Ministerin kündigt Hilfe an.

"Der Einzelhandel ist nur sehr bedingt bereit, auf die Erzeuger zuzugehen", bestätigt auch Priska Hinz. Die hessische Landesregierung wolle die Erzeuger bei der Entwicklung von Marketingstrategien unterstützen, kündigt sie an. Verdeutlichte aber auch: "Auf den Handel haben wir keinen Einfluss." Die Genossenschaft setzt trotzdem weiter auf ihre hohe Qualität. Immerhin schreibt man eine schwarze Null, sagt Trier. Aber mit den Auszahlungspreisen an die Bauern sei man noch nicht zufrieden.

Wege hofft auf den Trend der großen Handelsketten, gemäß den Wünschen der Kunden, regionale Eigenmarken zu entwickeln. "Wirklich Regionales kann in Hessen keine Molkerei außer uns liefern", sagt er. Für die Eigenmarken der Ketten zu liefern schade zwar wiederum dem Absatz der eigenen Marke "Marburger Traditionsmolkerei", aber ohne zusätzliche Abnahmen trage sich der Betrieb nicht. "Wir bleiben optimistisch. Schließlich sind wir ein kleines gallisches Dorf, mit dem niemand gerechnet hat," sagt er.

von Martina Koelschtzky. Quelle: OP-Marburg , 26.8.2014