TAG DER MILCH: Marburger Traditionsmolkerei zieht Bilanz

Am offiziellen Tag der Milch zieht die Marburger Molkerei eine Bilanz über die Erungenschaften der vergangenen zwei Jahre.

Marburg. Hans-Werner Wege verrührt die Milch in seiner Kaffeetasse. Die Milch, deren Logo das Marburger Schloss zeigt. "Ich habe noch nie so viel Milch getrunken wie jetzt", sagt der Geschäftsführer der Marburger Traditionsmolkerei. Nicht nur, weil sie ihm schmeckt. Sondern auch, weil er hinter der Entscheidung, den Betrieb mit den Milchbauern der Marburger Molkereigenossenschaft in Eigenregie zu führen, steht "wie am ersten Tag". Zum offiziellen Tag der Milch zieht er eine kleine Bilanz.

"Man sagt immer: Vier Jahre braucht es, bis ein Start-Up-Unternehmen rund läuft", so Wege. "Wir haben jetzt etwas mehr als die Hälfte dieser Zeit hinter uns und sind annähernd da, wo wir hinwollten."

Angefangen hat alles 2012 mit dem Aus der Schwälbchen-AG, dem einstigen Pächter. Die Milchbauern der Marburger Molkereigenossenschaft begannen daraufhin, ihre Milch selbst zu vermarkten - als Marburger Traditionsmolkerei.

"Wir sind damals sehr idealistisch an die Sache herangegangen", erinnert sich Wege. "Die Bauern haben auf einen Teil ihres Milchgeldes verzichtet, um das alles stemmen zu können." Das alles - damit spricht er von zahlreichen Neubauten, Sanierungen, neuen Anlagen.

Ein halbes Jahr nach dem Neustart beginnt die Molkerei mit der Lieferung.

Die Marburger Traditionsmolkerei startete damals quasi bei Null. "In der Zeit sind nicht nur mir viele graue Haare gewachsen", gesteht er und fasst sich lachend an den Kopf. Der heute 51-Jährige rutschte damals als Milcherzeuger in die Rolle des "Geschäftsführers". "Ein Jahr lang habe ich parallel zur Geschäftsführung noch meinen eigenen Stall versorgt", erzählt er. "Das ging dann aber einfach nicht mehr."

Ein halbes Jahr nach der Neugründung des Betriebs konnte die Molkerei dann mit der Lieferung beginnen. Bei der Produktion setzte das Unternehmen auf ein damals innovatives Verfahren: die sogenannte Baktofugationstechnologie. Die Marburger Bauern waren damals die Ersten, bei denen dieses Verfahren erfolgreich angewandt wurde. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren ist hierbei keine hohe Erhitzung notwendig. Die Milch wird stattdessen lediglich über einen Zeitraum von 15 Sekunden auf eine Temperatur von 72 Grad erhitzt. Damit keine Keime in der Milch bleiben, arbeitet die Technologie mit Entkeimungs-Separatoren. Diese wirken wie eine Zentrifuge: alles, was nicht hineingehört, fliegt nach draußen und bleibt auch dort.

Durch dieses Verfahren bleibt die Milch länger haltbar: etwa 21 Tage. "Viele wissen deshalb gar nicht, dass es sich bei unserer Milch um eine klassische Frisch- und nicht etwa um eine H-Milch handelt", so Wege.

Wichtig für die Marburger Milchbauern und ihr Team sind die vier Säulen, auf die sich das Unternehmen stützt: Nachhaltigkeit, Gentechnikfreiheit, Regionalität und Transparenz. So verzichten die Milchbauern der Genossenschaft - allesamt zertifizierte Betriebe - auf importierte Futtermittel aus Übersee. Die Regionalität zeigt sich schon auf der Milchpackung. Nicht nur durch das Marburger Schloss im Logo, sondern auch durch das Siegel "Geprüfte Qualität Hessen" und durch das blaue Regionalfenster, eine Kennzeichnung für regionale Produkte. Dieses Fenster hat sonst praktisch niemand im Milchsektor auf der Verpackung. Die Marburger sind komplett regional aufgestellt: vom Landwirt über die Speditionen und den Energieversorger bis hin zur Verpackung.

65 Lieferanten aus ganz Mittelhessen hat das Unternehmen. Im vergangenen Jahr wurden rund 23,5 Millionen Liter Milch in der Traditionsmolkerei verarbeitet. 20 Mitarbeiter sind in der Produktion, im Labor und in der Verwaltung tätig. "Jeden Tag haben wir mehr Bestellungen auf der Liste", freut sich das Molkereiteam. "Das sind dann schon kleine Erfolgserlebnisse." Doch sich darauf auszuruhen, kommt nicht in Frage. "Unser Ziel ist es, den Absatz weiter zu steigern, weitere Handelspartner hinzuzugewinnen und auch unser neuestes Produkt in den Handel zu bringen: unseren stichfesten Naturjoghurt."

Um den Bekanntheitsgrad der Marburger Traditionsmolkerei zu erhöhen, setzt die Molkereigenossenschaft verstärkt auf Werbung und Sponsoring - sogar mit prominenter Unterstützung. So läuft derzeit in den Marburger Kinos ein Werbespot für die Traditionsmolkerei mit Komiker Martin "Maddin" Schneider.

"Als wir ihn gefragt haben, hat er sofort gesagt: ,Mach' isch'", erzählt Wege zwinkernd. In Kürze wird das Unternehmen zudem einen Imagefilm ins Netz stellen.

Was noch zu tun ist: "Wir haben uns damals auf die Fahne geschrieben, dass wir den Milchlieferanten mehr auszahlen wollen als die Großmolkereien. Das Ziel haben wir zwar noch nicht erreicht, sind aber auf bestem Weg dorthin."

von Conny Schneider. Quelle: Hinterländer Anzeiger , 31.05.2014