Pressebericht: Bauernhof wird zum Erlebnis

Bei einem Aktionstag zeigt Nils Becker Kindern und Erwachsenen seinen Milchbetrieb.

Milchbetrieb Marburger Molkerei Aktionstag (Bild 3)

Nach der Führung verteilt Nils Becker Milch zur Stärkung an seine jungen Gäste.


Gladenbach-Weidenhausen. „Man muss schon ein Idealist sein, um in der heutigen Zeit im Hinterland einen Bauernhof zu betreiben." Nils Becker ist Landwirt aus Überzeugung und hält auf seinem Waldmühlenhof in Weidenhausen 100 Milchkühe sowie 130 Kälber. Bei einem Themenvormittag „Erlebnis Bauernhof" führte der geprüfte Landwirtschaftsmeister 20 große und kleine Besucher durch seinen Milchbetrieb.

von Peter Piplies

Fotos: Piplies

Becker erklärte den Kindern und Erwachsenen, wie aus einem Kälbchen eine Milchkuh wird und berichtete von den Schwierigkeiten, denen ein Landwirt heutzutage ausgesetzt ist. „Wir arbeiten von 4.30 bis 19 Uhr - und das sieben Tage in der Woche", erläutert Becker die Rahmenbedingungen auf seinem Bauernhof.

Den Waldmühlenhof betreibt Becker gemeinsam mit seinem Vater, denn feste Angestellte würden sich bei den aktuellen Milchpreisen zwischen 36 und 37 Cent pro Liter gar nicht rechnen.

Dennoch ist der Hof in Weidenhausen auf Erntehelfer in der Saison sowie externe Lohnunternehmer angewiesen. Zum einen seien er und sein Vater in der Erntezeit einfach zu wenige Arbeitskräfte. Zum anderen könne sich der Hof in Weidenhausen teure Spezialmaschinen gar nicht leisten.

Ein moderner Mähdrescher koste um die 200 000 Euro. Für die kleinen Getreide- und Maisanbauflächen des Milchbetriebes rechnet sich eine solche Investition einfach nicht, betont der Landwirt. Daher hat sich Becker auf die Haltung von Milchkühen spezialisiert und vergibt andere Arbeiten eben an fremde Lohnunternehmer. Ohne die Spezialisierung könne heutzutage kein Vollerwerbslandwirt überleben.

Milchbetrieb Marburger Molkerei Aktionstag (Bild 1)

Milchbetrieb Marburger Molkerei Aktionstag (Bild 2)

Nicht nur zuschauen, sondern auch selbst aktiv werden: Die Kinder schütteln kräftig ihre mit Sahne gefüllten Gläser, damit daraus Butter wird.

 

Trotz der vielen Sorgen und Klagen ist Becker mit Überzeugung Milchbauer und führt seine Besucher mit viel Leidenschaft durch den Betrieb. Der Landwirt erzählt von den Kälbchen, die hier auf dem Hof zur Welt kommen und dann 28 bis 30 Monate später selbst ein Kälbchen bekommen und damit eine Milchkuh werden. Natürlich nur die weiblichen - die männlichen Kälber werden an andere Beitriebe verkauft, die sich wiederum auf die Kälbermast spezialisiert haben.

Eine ausgewachsene Milchkuh gibt im Jahr 8000 bis 9000 Liter Milch. Spitzenleistungen bis 15 000 Liter sind bei optimaler Fütterung möglich. Zweimal am Tag wird gemolken. Hinzu kommen die regelmäßigen Untersuchungen der Milch von jeder einzelnen Kuh im Stall. Durch diese Analysen kann das Futter optimal zusammengestellt werden, erläutert Becker.

Die meisten Kinder wissen zwar, dass es lila Kühe nur in der Werbung gibt, doch der Unterschied zwischen Heu und Stroh ist nicht mehr jedem Mädchen und Jungen im Dorf geläufig. Das sei auch kein Wunder. Denn neben dein Waldmühlenhof gibt es nur noch einen weiteren Vollerwerbslandwirt sowie einen Nebenerwerbsbetrieb in Weidenhausen.

Kinder dürfen die Kälbchen streicheln und selbst Butter machen.

Mit seiner Führung, die im Rahmen von weiteren Aktionen des Naturparks Lahn-Dill-Bergland stattfand, will Becker den Kindern und auch Erwachsenen die Landwirtschaft und das Verständnis für die Natur näher bringen. Neben dein Streicheln der Kälbchen, Füttern der Kühe und natürlich dem Spielen in den Nützen war das Buttermachen ein weiterer Höhepunkt der dreieinhalbstündigen Aktion.

Damit die Herstellung etwas schneller ging, hatte Becker fertige Schlagsahne den Kindern in kleine Gläser gegossen. Die mussten dann so lange geschüttelt werden, bis sich ein Klumpen Butter gebildet hatte.

Als Belohnung durften sich die kleinen und großen Butter-Macher ihr Milcherzeugnis auf einen Keks schmieren und essen. Dazu gab es noch ein Glas Milch. Seine Milch vermarktet der Weidenhäuser Waldmühlenhof übrigens über die „Marburger Traditionsmolkerei".

Quelle: Hinterländer Anzeiger , 17.04.2014