Pressebericht: Marburger Milchmacher liefern wieder

Das Magazin mrlife berichtet über die Molkerei zum Thema: Traditionsmolkerei bringt Milch aus der Region in die Region.

Milchabfüllung und Auslieferungskontrolle der Marburger Milchprodukte

Die Milch wird direkt in der Molkerei abgefüllt. Danach die letzte Kontrolle vor der Auslieferung zum Kunden

Marburg Ohne überzuschwappen und die Hand ungelenk zu verdrehen, fliegt die Milch aus der groben runden Öffnung des Ein-Liter-Kartons mit dem Marburger Schloss als Logo. Die abgeschrägte Seite ermöglicht dies spielend. Was dann in den Kaffee oder auf das Müsli kommt, ist nicht nur Frischmilch. Mit jedem Zentiliter gießt der Konsument neben dem Geschmack auch ein Stück Verantwortung in seine Tasse oder in die Schüssel.

Verantwortung für Mensch, Tier und Umwelt hat sich die Marburger Traditionsmolkerei auferlegt. Heraus kommt ein hochwertiges Produkt: länger haltbare Frischmilch aus der Region für die Region.

Der ursprüngliche Geschmack und fast 100 Prozent der wichtigen Stoffe bleiben in der Frischmilch.
Ottmar Peter, Produktionsleiter

Die Marburger Traditionsmolkerei produziert Frischmilch, saure und süße Sahne und Schmand. Seit anderthalb Jahren ist das Unternehmen, eine Genossenschaft, nun wieder tätig. Der Start war nicht einfach, aber die Milchbauern waren "Feuer und Flamme", wie Vorstandsvorsitzender Dieter Hewecker sagt. Keiner wollte mehr von Managern abhängig sein. so wie Iris Trier aus Erksdorf. Sie und ihr Mann bewirtschaften einen von den insgesamt 65 Höfen in der Region, die die Marburger Traditionsmolkerei beliefern und jeweils zwischen 3 und 200 Kühe pflegen. 110 Kühe garantieren auf dem Trierschen Hof für rund 2.500 Liter Milch - jeden Tag. "Wir arbeiten und leben in dieser Region, warum nicht auch für die Region", sagt die Bäuerin zum Konzept, mit dem die Landwirte Verantwortung übernehmen. Schließlich haben sie aus einem H-Milch-produzierendem Unternehmen eine Molkerei für gentechnikfreie Frischmilch gemacht, gewissermaßen in Eigenleistung. Die Bauern übernahmen eine heruntergewirtschaftete Molkerei. Zunächst standen für die Genossen viele Stunden Renovierungsarbeit an, und dazu kam noch ein drastischer Preisverfall. Denn solange nicht produziert wurde, musste die Milch der Mitglieder auf dem freien Markt verkauft werden. "Das kostete anfangs sehr viel Geld", sagt Geschäftsführer Hans Werner Wege.

Kernstück ist eine hochmoderne Anlage, die die Milch entkeimt. "Wir haben dieses Verfahren als erste in Deutschland eingesetzt", so Wege. Das Prolong-Verfahren "schleudert" durch Zentrifugieren Sporen und Bakterien heraus. Damit muss die Milch nicht hoch erhitzt und praktisch aller Inhaltsstoffe beraubt werden. "Der ursprüngliche Geschmack und fast 100 Prozent der wichtigen Stoffe bleiben in der Frischmilch erhalten", erklärt Produktionsleiter Ottmar Peter die Herstellung. Länger haltbare Frischmilch - ein Widerspruch? Der Markt verlangt es und das traditionelle und schonende Verfahren ermöglicht es.

70.000 Liter am Tag, 22 Millionen Liter pro Jahr fließen durch die Anlage. Rund 20 Menschen sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Internationale Standards erfüllen die Marburger Milchmacher auf Anhieb. Stichproben beim Bauern und während der Produktion gewähren die Qualität, die die Genossenschaft sich über das Produkt hinaus auferlegt hat. "Wir orientieren uns an Qualitätskriterien wie Nachhaltigkeit, Verzicht auf genmanipulierte Futtermittel, regionale Produktions- und Vermarktungskonzepte und den Einsatz von heimischen Futtermitteln", so Wege, der sich mit den übrigen Genossenschaftsmitgliedern auch aber die geschaffenen Arbeitsplätze freut.

Wir arbeiten und leben in dieser Region, warum nicht auch für die Region?
Iris Trier, Bäuerin aus Erksdorf

Hauptkunde für die 3,8 und 1,8-prozentige Milch und die Sahne ist Rewe. Der Handelskonzern hat den Start durch eine Abnahmegarantie erst möglich gemacht. Aber auch andere Supermarkt-Regale in der Region, wie die von Edeka, Tegut oder Gutkauf werden mit der Frischmilch gefüllt, ebenso wie Altenheime, Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten, regionale Markthallen und auch das Marburger Coffee-Bike beliefert werden.

Haltbare Frische

Frischmilch soll ihren natürlichen Charakter erhalten, aber trotzdem länger haltbar sein. Sie soll aber auch den Nährtoff- und Vitamingehalt erhalten, dies ist der Wunsch der Verbraucher.

Die Marburger Traditionsmolkerei setzt dazu ein revolutionäres Verfahren ein, bei dem die Milch nicht unnötig hoch erhitzt wird.

Die mit dem sogenannten Separator prolong-Verfahren hergestellte, frische pasteurisierte Trinkmilch kann eine Mindesthaltbarkeit von 20 Tagen und mehr aufweisen.

Die prolong-Anlage reduziert die Keime bis zu 99 Prozent, die Bacillus cereus zu mehr als 99 Prozent. Erhitzungsnachweise zeigen zudem, dass der ß-Lactoglobulin Wert mit circa 3.000 mg/kg wie bei dem einer pasteurisierten frischen Trinkmilch liegt.

Quelle: mrlife 11/2014 (von Richard Kiefer) , 14.03.2014