Pressebericht: Frischmilch mit drei Wochen MHD.

Die Marburger Traditions-Molkerei übernimmt Pionierfunktion!

Plattenerhitzer und Homogenisator der ProLong Anlage in der Marburger Molkerei

Die weltweit erste prolong Linie der GEA Westfalia Separator Group steht seit letztem Jahr in der Marburger Traditions Molkerei (Foto: mi)

aus dem Magazin Molkerei Industrie

Mit der Marburger Traditions-Molkerei ging zum Jahresbeginn 2012 ein neuer Mitbewerber im Mopro-Markt an den Start. Die Marburger Molkereigenossenschaft eG führt den von Schwälbchen aufgegebenen Standort in Eigenregie weiter und hat zunächst Frischmilch aus der Region für die Region auf dem Programm. molkerei-industrie besuchte die "Start-up" Molkerei.

Dass es den Betrieb in Marburg angesichts der in Hessen besonders drastisch verlaufenen Strukturentwicklung überhaupt noch gibt, rührt daher, dass die Genossenschaft ihren Betrieb Ende der 80er Jahre nur verpachtet, aber niemals abgegeben hat. Geschäftsführer Hans-Werner Wege: "Die Konzentration im Milchbereich ist erschreckend. Vor 25 Jahren gab es in unserem Raum noch 15 Molkereien. Das Wegfallen der regionalen Versorgung hat natürlich Folgen für die Umwelt, denken wir nur an das Transportaufkommen. Wir sind mit der Vision angetreten, diesen Versorgungsauftrag wieder zu übernehmen und dabei auch einen nachhaltig guten Milchpreis zu erwirtschaften. Dabei geht es uns auch um ein Stück Unabhängigkeit, wir wollen als Genossenschaftsmitglieder keine ausländischen Expansionen von Molkereiunternehmen mitfinanzieren und wir wollen den direkten Draht zu unserem Milchverarbeiter behalten."

Ohne Gentechnik

Momentan zählt die Marburger Molkereigenossenschaft 111 Mitglieder, von denen 69 aktiv sind. Die Hofgrößen reichen von 3 bis 200 Kühen, der Erfassungsradius für die jährlich 23 Mio. kg Rohstoff beträgt 70km rund um Marburg. Doch ohne ein spezielles Konzept, war den Landwirten klar, hätte eine Milchverarbeitung in Eigenregie angesichts des geringen Milchaufkommens wohl kaum eine Chance gehabt. Erzeugt wird ausschließlich Milch aus GVO-freier Fütterung, wobei die Milcherzeuger sich zudem verpflichtet haben, kein Zukauffutter aus Übersee einzusetzen. Die Rohmilch ist damit also schon speziell – vom Milchwirtschaftlichem Institut Dr. Hüfner wurde sie zudem mikrobiologisch, vor allem bezogen auf den extrem geringen Sporengehalt, als "sehr gut" bewertet.

GEA Westfalia Separator prolong Verfahren

Diese gute Qualität braucht die Molkerei auch zwingend für ihr besonderes Produktkonzept. Die Frischmilch (3,8 und 1,8 %) ist nämlich gekühlt 3 Wochen und bei ununterbrochener Kühlkette sogar 4 Wochen haltbar. Und das, obwohl sie nur auf 72 °C pasteurisiert wird. Diese außergewöhnliche Haltbarkeit verdankt das Produkt dem erstmals bei der Marburger Traditions Molkerei installierten prolong Verfahren der GEA Westfalia Separator Group. Das auf der letzten Anuga FoodTec mit dem Molkereitechnik-Preis ausgezeichnete Verfahren trennt rein mechanisch die haltbarkeitsrelevanten Mikroorganismen über eine doppelte Zentrifugation ab. Der Verzicht auf Hocherhitzung oder Mikrofiltration kommt, so Wege, deutlich bei den Energiekosten und auch im Geschmack zum Tragen. Installiert wurde in Marburg eine prolong Linie mit einer Stundenleistung von 7.000 l, die in ein Gesamtkonzept von GEA TDS mit Plattenerhitzer und Homogenisator integriert ist. Bei der Inbetriebnahme traten - wie so häufig bei Pilotprojekten - einige ungeplante Herausforderungen auf, die aber absolut zufriedenstellend gemeistert worden sind. In diesem Zusammenhang hebt Wege die gute Unterstützung durch die GEA Westfalia Separator Group hervor. Abgefüllt wird in Tetra Brik Edge Verpackungen mit großem Schraubverschluss auf der Basis Tetra C3 Flex.

Die weltweit erste installierte ProLong Anlage in der Marburg Molkerei

Die prolong Linie wurde von GEA TDS in ein Gesamtkonzept mit Plattenerhitzer und Homogenisator integriert (Foto: mi)

Regionale Distribution

Der Betrieb (18 Mitarbeiter) nahm die Produktion nach einer mühsamen Auf- und Umbauphase, in der die Milch zum Nachteil der Lieferanten auf dem Spotmarkt verkauft werden musste, zum 1. Juni 2012 auf. Der erste Kunde war die Rewe Gruppe, die ihr Regionalsortiment um Frischmilch der Marke Marburger Traditions Molkerei ergänzte. Vorangegangen war dem die obligatorische Zertifizierung nach IFS, bei der die Molkerei "aus dem Stand" über 90 Punkte erreichte. Inzwischen wird die neue Regionalmarke im hessischen Raum auch bei tegut, Gutkauf und zum Teil bei Edeka geführt. Alsbald soll die Produktpalette um Sauerrahm, Schlagrahm und Schmand erweitert werden, die allesamt mit einem besonderen Etwas kommen, wie z. B. speziellen geschmacksgebenden Kulturen - und natürlich mit dem Gentechnikfrei-Label.

Perspektiven

Der frühere Müller-Manager Dr. Jamal Algedri, der heute die Marburger Consulting-Group führt, berät die Marburger Molkerei nicht nur in Qualitätsfragen. Algedri: "Wir bringen die Erfahrung, die wir in Großmolkereien gesammelt haben, maßgeschneidert in mittelständische Betriebe. Dass die neue Frischmilch aus der Region kommt, ist fundamental für das Produktkonzept. Es soll am Ende den regionalen Milcherzeugern Perspektiven bieten, damit nicht noch mehr Rohstoff nach Norden abwandert - mit allen negativen Folgen für die Kulturlandschaft."

Dass der Verbraucher bereit ist, für ein Regionalkonzept etwas mehr auszugeben, davon sind Wege und Algedri überzeugt. Aktuell geht die Einliterpackung Marburger Milch für 89 bzw. 99 Cent über den Ladentisch. Werbung macht die Molkerei bereits über Aufsteller, Plakate und am POS, auch im öffentlichen Personenverkehr wird demnächst auf die neue Marke aufmerksam gemacht werden.

Quelle: Molkerei Industrie, Ausgabe 5/2013