Pressebericht: Frisch wie vom Bauernhof.

Eine Unternehmensdarstellung der Traditionsmolkerei durch die Stadtwerke Marburg anhand eines Milchlieferbetriebes und der speziellen Aufbereitung der Marburger Frischmilch aus der Molkerei Marburg.

Der Lindenhof ist ein bäuerlicher Familienbetrieb in dritter Generation.

Der Arbeitstag beginnt für Harald und Silke Fett auf dem Lindenhof in Wetter-Amönau schon frühmorgens – genauso wie für alle Milchbauern. Mehrere Landwirte haben sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen und führen die Molkerei in Marburg in Eigenregie. Ihr Konzept: Gentechnikfreie Milch aus der Region für die Region.

von SWM

Marburg. Stress, unter dem ihre Artgenossen oftmals leiden müssen, kennen die Kühe auf dem Lindenhof nicht. Ihre Hufe stehen auf Stroh statt hartem Untergrund und die Massenabfertigung im Melkstand ist ihnen fremd. Ihre Milch, bestimmt für die Molkerei in Marburg, geben sie im Stall. "Wir arbeiten mit Bauernhöfen, die drei bis 200 Kühe halten und ausschließlich gentechnikfreies Futter verwenden", erklärt Ottmar Peter, Produktionsleiter der Molkerei. "Ganze 70 000 Liter Milch verarbeiten wir täglich aus 69 zertifizierten genossenschaftlichen Betrieben", fügt er stolz hinzu.

Ein Sammelwagen, in der Region auch bekannt als "Henkels Milchkutsch" und leicht zu erkennen am Logo der Marburger Traditionsmolkerei auf der Rückseite des silbernen Stahltanks, sammelt die Milch aus der Umgebung ein. "Bereits auf dem Bauernhof nimmt unser Fahrer eine erste Probe. Ein Schnelltest gibt Hinweise auf Antibiotikaspuren", erläutert Peter Lins, Technischer Leiter.

Anne Ludwig, Laborleiterin in der Traditionsmolkerei, prüft den Fettgehalt der Milch.

Erst nach der Probe darf die auf 4 Grad Celsius gekühlte Milch in den Tankwagen. In der Molkerei entnimmt das hauseigene Labor weitere Proben zur Qualitätskontrolle und erteilt die Freigabe zum Abpumpen in die Tanks auf dem Gelände in der Marburger Frauenbergstraße.

Spezielle Verarbeitung

Ottmar Peter verrät, was Milch zu einem wertvollen und besonderen Lebensmittel macht: "Eiweiße, Kohlenhydrate, Vitamine, Spurenelemente und Kalzium: Das alles benötigt unser Körper und in der Milch steckt’s drin." Bis die Milch in den Regalen der Händler steht, folgen jedoch noch einige Arbeitsschritte. Dazu Peter Lins: "Wir verarbeiten die Rohmilch mit einem speziellen Verfahren in unserer hochmodernen Anlage zu einem Lebensmittel von höchster Qualität mit ausgezeichnetem Geschmack." Das Besondere und deutschlandweit nahezu Einzigartige an der Marburger Molkerei: Hier erfolgt die Verarbeitung außergewöhnlich schonend mit Hilfe der Frischmilch-Doppelentkeimung - gegenüber der herkömmlichen Hitzebehandlung ein Verfahren, bei dem viele wertvolle Inhaltsstoffe und der Geschmack erhalten bleiben.

Alles im Blick - die Vorgänge in der Abfüllanlage werden elektronisch überwacht.

Herzstück der Anlage zur sogenannten Baktofugationstechnologie sind drei speziell ausgelegte Zentrifugen. Sie dienen dazu, Bakterien und Sporen sprichwörtlich "auszuschleudern". Laut Peter Lins bleiben beim herkömmlichen Hitzeverfahren Rückstände dieser Keime in der Milch. Zwar erhitzt auch die Molkerei Marburg ihre Milch, allerdings nur für wenige Sekunden auf 72 Grad Celsius, um sie zu pasteurisieren.

Hohe Hygienestandards

Wer der hauseigenen Produktionsanlage einen Besuch abstatten möchte, der muss zunächst die Hygieneschleuse passieren. Dort säubern rotierende Bürstenwalzen die Schuhe von Ottmar Peter, während er sich die Hände wäscht, desinfiziert und mit einem Luftstrom trocknet. Anschließend testet ein Detektor, wie gründlich der Produktionsleiter war. Grünes Licht, das Drehkreuz gibt frei. "Wir beachten strenge Lebensmittelhygienestandards. Das A und O bei unserer Arbeit", unterstreicht er.

Mit der Milch selbst kommen die etwa 20 Mitarbeiter der Molkerei nicht in Kontakt. Maschinenführer Norbert Seiffert betont sogar: "Wegen des geschlossenen Produktionsprozesses sehen wir sogar fast nie etwas davon." Die Anlage funktioniert komplett autonom. Ein Computer bestimmt, welchen Weg die Milch durch das Rohrleitungssystem nimmt, bevor die Standardisierung ansteht. Bei diesem Prozess wird der Fettgehalt der Milch auf 3,8 Prozent, also Vollmilch, oder einen reduzierten Prozentsatz festgelegt. Anschließend folgt die Pasteurisierung und dann die Homogenisierung. Letztere verhindert, dass sich Rahm absetzt.

Die Baktofugen garantieren höchste Qualität.

 

Den gesamten Prozess begleiten und überwachen die Laborantinnen im Qualitätslabor. "Wir sind in allen Belangen zertifiziert, dürfen auf unseren Produkten das Güte zeichen ohne Gentechnik ausweisen", erklärt Geschäftsführer Hans-Werner Wege. Die Molkerei nimmt zudem am Projekt "Geprüfte Qualität Hessen" teil, das hochwertige und sichere Nahrungsmittel mit eindeutiger Herkunft verspricht.

Am Ende der Produktion füllt eine vollautomatische Anlage die Milch in Ein-Liter-Tüten mit Schraubverschluss und dem Logo der Marburger Traditionsmolkerei. Bevor der Transport in die Märkte der Region folgt, stapelt ein Packroboter die Tüten auf Paletten.

Zu den Abnehmern gehören außerdem Schulen und Kindergärten, denen die Molkerei ein ganz besonderes Angebot bereitstellt. Unter dem Motto "Wie kommt die Milch aus der Kuh in die Tüte?" informiert das Traditionsunternehmen Kinder und Jugendliche auch im Rahmen der Aktion Grünes Klassenzimmer über die Erzeugung von Milchprodukten und bietet bei Betriebsführungen einen Blick hinter die Kulissen.

 

Quelle: Servicemagazin der Stadtwerke Marburg, 09.04.2013